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2 mal 3 Fragen an Bettina Göschl von Matthias Meyer-Göllner

1. Was macht aus deiner Sicht ein Lied zum Kinderlied?

Für Kinder zu schreiben empfinde ich als große Herausforderung. Sei es ein Lied, ein Gedicht oder Prosa. Beim Entwickeln eines Liedes finde ich wichtig, die Zielgruppe klar vor Augen zu haben. Dabei spielt die Altersgruppe der Kinder eine Rolle. Wenn ich ein Lied für 2jährige schreibe, sieht dies völlig anders aus, als eines für 8jährige. Die vielen Auftritte helfen mir, den Kontakt zu den Kindern nicht zu verlieren. Außerdem fühle ich mich beim Schreiben mit dem eigenen inneren Kind verbunden. Ohne all das fiele es mir schwer, ein Kinderlied zu schreiben.

2. Welches Kinderlied gefällt dir besonders und warum?

Eines meiner Lieblingslieder ist „Johnnys Buddelschiff“ von Ulrich Maske. Ein wunderbares Lied, das von Fantasie und Abenteuerlust erzählt und von der Sehnsucht nach der Geborgenheit in einem sicheren Zuhause. Welches Kind wünscht sich das nicht?

3. Warum bist du eine gute Kinderlied-Erfinderin?

Neulich haben mir Kindergartenkinder nach einem Piratenkonzert einen „Goldenen Bären“ aus Schokolade für meine Lieder überreicht. Das hat mich sehr gefreut und berührt. Solche Verleihungen sind mir wichtiger, als der Preis einer Jury, die in den meisten Fällen ja aus Erwachsenen besteht und somit einen entsprechenden Blickwinkel auf das Genre Kinderlied hat. Entscheidend ist für mich: Erreiche ich die Kinder mit meinen Liedern oder nicht? Und was kann ich ihnen geben, bei ihnen bewirken? Ich arbeite seit mehr als 25 Jahren mit Kindern und sie sind für mich der beste Spiegel für meine Arbeit. Sie sagen und zeigen mir offen, wenn ihnen etwas gefällt oder nicht.

4. Deine Lieder erzählen oft Geschichten. Was macht eine Geschichte passend für ein Lied? Und wann bleibt eine Geschichte besser eine Geschichte?

Ich liebe es Geschichten in meinen Liedern zu erzählen. Geschichten für Kinder kann man in vielen Kunstformen erzählen: in Liedern und Gedichten, in Prosa, in Filmen oder in Bildern. Oft passiert es mir, dass mir noch tausend Ideen durch den Kopf schwirren, während ich am Liedtext schreibe. Die Herausforderung ist, die Geschichte für ein Lied so zu komprimieren, dass daraus ein Lied in Reimform wird. Die dazugehörige Melodie entsteht bei mir erst nach dem Text. Die Musik passt sich dem Text an und trägt ihn. Wenn das Lied meine Phantasie beflügelt, wird daraus oft noch eine Geschichte in Prosa. Ist mir mit meinen Liedern mehrmals passiert.

5. Ist der kreative Prozess eine einsame Sache? Oder kannst du dir in bestimmten Phasen der Entstehung der Lieder Zusammenarbeit mit anderen vorstellen? Wenn ja, in welchen?

Kreative Prozesse empfinde ich zunächst als etwas sehr Persönliches, ja fast schon Intimes. Eine mögliche Zusammenarbeit hängt stark von den Persönlichkeiten der Künstler ab. Unverzichtbar sind für mich Wertschätzung und Respekt dem anderen gegenüber. So kann ein gemeinsamer kreativer Prozess sehr bereichernd, spannend und interessant sein. Ich finde wichtig selbstreflektiert an seine Arbeit zu gehen und auch Kritik von anderen zuzulassen. Das ist ein besonders schwieriger Punkt, da Kunst immer etwas sehr Persönliches ist. Wenn ich spüre, dass meine Mitstreiter nur das Beste aus mir rausholen wollen, mich dabei in meiner Eigenart erfassen und ich mich unterstützt fühle, dann geht das alles sehr leicht und macht viel Spaß. Kritik kann man so oder so formulieren. Der Ton macht die Musik. Seit Jahren arbeite ich mit Künstlern zusammen. Mit meinem Mann Klaus-Peter Wolf schreibe ich leidenschaftlich gerne Kinderbücher und ich erfreue mich sehr an der Zusammenarbeit mit unserem Trio „Die fabelhaften 3“ mit Matthias Meyer-Göllner und Ulrich Maske. Wenn ich die Gelegenheit habe, mit ihnen und dem Bassisten Gunnar Peschke auf der Bühne zu stehen, harmoniert das sehr gut und macht mir große Freude.

6. Welche Funktion können Kinderlieder in der Leseförderung haben?

Ich hatte das große Glück, Hans Bödecker, einen Pionier der Leseförderung, kennenzulernen. Auf meiner ersten Lesereise im Jahre 2001 sagte er sinngemäß: „Ich freue mich sehr über die Lieder von Bettina Göschl. Sie öffnen die Herzen der Kinder für Geschichten und machen sensibel für Sprache. Das ist gesungene Leseförderung.“
Das hat mich sehr gefreut und so erlebe ich es auch in meinen Veranstaltungen.

Ein weiterer Vorteil der Lieder liegt in ihrer Länge. Oder besser gesagt in ihrer Kürze. Viele Kinderlieder regen außerdem zum Singen, Mitmachen und Bewegen an. Dadurch können auf spielerische Weise auch die Kinder erreicht werden, die erhöhten Förderbedarf haben oder in ihrer Konzentration eingeschränkt sind. Kinderlieder helfen dem jungen Publikum, in die Welt der Phantasie einzutauchen. Eine Grundvoraussetzung fürs Lesen. So wird Sprache lebendig .

Zuerst erschienen im Kinderlieder-Magazin.