Buch
Ritterfest und Drachentanz
Das Buch zur CD
Informationen und Geschichten rund ums Ritterleben legen die Grundlage für Ritterprojekte für Kindergruppen in Kindergarten, in der Schule und zu Hause. Mit Anleitungen zum Basteln von Ritterrüstung, Burgdamenkleidung und Burgkulisse, damit die Abenteuer in der Welt der Ritter und Drachen noch mehr Spaß machen! Tolle Spiele, Tänze und leckere Rezepte warten darauf, ausprobiert zu werden.
Die Buchautoren Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl laden zu einem rauschenden Ritter- und Drachenfest ein. Familien, Kindergartenkinder, Schüler – und natürlich auch Drachen – alle sind herzlich willkommen!
∼ Die Prinzessin der Schimpfworte
Julia war schön. Wenn sie über die Wiese ging, pfiff sogar der Wind
hinter ihr her. Die Sonne lachte und die Vögel
sangen Lieder.
Ihr Vater, König Artus, kurz Atze genannt, suchte
einen Mann für sein Kind. Das war gar nicht so
einfach.
Klar standen die Ritter Schlange und baten um
Julias Hand. Schließlich war sie nicht nur schön,
sondern auch reich. Die jungen Ritter waren bereit,
mit Schwertern um sie zu kämpfen.
Die Edelmänner kamen von weit her angereist. Sie
brachten Geschenke. Einige lernten sogar singen,
um Julias Herz zu gewinnen. Wenn die Ritter
sie zum ersten Mal sahen, schossen Tränen der
Freude in ihre Augen. So schön war die Prinzessin
Julia.
Leider hielt die Verliebtheit nie lange an. Sie
dauerte immer nur genau bis zu dem Moment, in
dem Julia den Mund zum ersten Mal öffnete. Ihre Stimme war schrill und Laut. Ihre Worte
beleidigend und gemein. Niemand im ganzen Land
kannte mehr Schimpfworte als Prinzessin Julia.
Ihr Lieblingswort war Hühnerarsch.
Wieder hielten drei Ritter um ihre Hand an. Harald,
Willi und Egon. Sie warteten in der Eingangshalle
der Burg darauf, Julia zum ersten Mal zu sehen.
Harald hatte einen Sack Edelsteine mitgebracht,
die er der Prinzessin schenken wollte, Willi
Pralinen, von denen er ständig selber naschte,
und Egon wollte ein Lied singen.
Die jungen Männer gefielen König Atze. Er ging
die Prinzessin holen.
Kaum hatte er den Raum verlassen, zischte
Harald: »Haut jetzt besser ab. Ich werde sie
heiraten. Keiner ist mit dem Schwert schneller
als ich. Notfalls köpfe ich euch beide.«
»Ha!«, spottete Willi. »Mein Schwert ist aber viel
länger als deins!«
»Wenn Prinzessin Julia erst mein Lied gehört hat,
habt ihr keine Chance mehr«, prahlte Egon.
Dann führte der König seine Tochter in den Saal.
Sie war in prächtige Gewänder gekleidet. Stundenlang hatte der Burgfrisör ihre Locken gewickelt.
Sie strahlten wie reines Gold, auf das die Sonne
scheint.
Der König wollte, dass die Zofe ihr den Mund
zuklebte. Aber das ging schief. Julia biss die Zofe
in den Finger.
Ruhig schaute sie sich die Ritter an.
»Du hast aber eine tolle Rüstung an«, sagte sie zu
Harald.
»Gab es die auch in deiner Größe? Guck
nicht so blöde, Schweinsgesicht. Hat dir noch nie
jemand gesagt, wie bescheuert du in dem Blech
aussiehst?« Sie klatschte ihre Hand gegen seinen
Bauch.
»Wie eine Dose Bier mit Augen. Hahaha!
Die Edelsteine machen dich auch nicht schöner!«
»Julia! Benimm dich!«, mahnte ihr Vater. Er war
Schlimmeres von ihr gewohnt.
Jetzt stand Prinzessin Julia vor Willi.
Sie knabberte an einer seiner Pralinen.
»Hast du dir mit diesem widerlichen Zeug den
dicken Hintern angefressen oder hattest du
den schon immer, Hängebacke?« »Sei ein bisschen nett, Julia. Die jungen Männer
wollen dich heiraten.
Mecker jetzt nicht rum. Such
dir einfach einen aus und fertig.«
Harald schluckte trocken. Willi zeigte auf Egon.
Der verdrückte sich gerade Langsam in Richtung
Tür. Harald stellte ihm ein Bein. Egon fiel hin.
»Unser Freund hier«, sagte Willi, »hat ein Liebes-
Lied für Euch geschrieben, Prinzessin. Um Euer
Herz zu gewinnen. Er wird es nun vortragen.
Nicht wahr, Egon!«
»Ich … ich kann nicht«, stammelte Egon. »Ich hab
den Text vergessen. Außerdem bin ich heiser und
meine Klampfe ist nicht gestimmt.«
Der König stöhnte.
»Also«, fragte er Julia sauer, »welchen willst du?«
ängstlich sahen die Ritter sich an und gingen
rückwärts.
»Hier geblieben!«, donnerte der König. »Wer jetzt
abhaut, wird Drachenfutter!«
Sie blieben und zitterten.
Der König zog die Augenbrauen hoch. »Also?«,
fragte er erneut. »Wer ist der Glückliche, Julia?«
»Von denen will ich keinen. Die sind hässlich und
doof. Hühnerärsche mit Kuhaugen. Sie stinken.«
»Ja«, nickte Harald erleichtert. »Sie hat ganz Recht.
Ich bin doof. Stimmt genau. Hat sogar meine
Mutter immer gesagt.«
»Und über meinen Hühnerarsch lacht das ganze
Land!«, freute sich Egon.
»Ich bin so blöd, ich kann mir nicht mal die Schuhe
selber zubinden«, versicherte Willi.
»Angeber!«, zischte Harald. »Ich bin zu dumm,
einen Eimer Wasser umzukippen.«
Egon holte weit aus. »Aber ich erst …«
Der König schob seine Tochter nach draußen. Dort
hielt die Zofe wie immer bereits ein Stück Seife
bereit. Julia musste hineinbeißen. So, hoffte der
König, könnte die Sprache seiner Tochter von
schmutzigen Worten gereinigt werden. Er hatte
schon alle Seifensorten dieser Welt ausprobiert.
Bis auf diese eine - und auch die zeigte keinen
Erfolg.
So ließ er endlich einen Arzt rufen. Der war alt
und als Heiler wohl bekannt. Der König versprach
ihm die Hälfte seines Landes, wenn er nur den
Mund der Prinzessin von den Schimpfworten
reinigen würde.
Wenn es ihm aber nicht gelänge, sollte er geköpft
werden. Nun war der Heiler nicht nur alt, sondern auch
sehr weise. Deshalb brach er sich vorsichtshalber
ein Bein und schickte seinen jüngsten Sohn
Markus zur Prinzessin.
Markus war ein junger Ritter, aber kein Heiler. Er
rief: »Ach Vater, König Atze wird mich köpfen, und
wie soll ich dann weiterleben? Ich kann doch seine
Tochter nicht heilen. Ich verstehe nichts davon!«
»Versuch's am besten ohne Edelsteine und auch
ohne Lieder. Sei einfach so, wie du bist«, sagte der
Vater. »Sei freundlich. Das wird dir helfen.«
Als nun Markus zur Prinzessin kam und sie mit
seinem Lächeln ansah, da schmolz sie dahin.
Sie machte den Mund auf, und es kamen nur nette
Worte heraus.
»Sie ist geheilt!«, rief König Atze und gab dem
jungen Ritter Markus seine Tochter und die Hälfte
seines Landes.
Als der glückliche Markus am Hochzeitstag seine
Prinzessin fragte: »Wie hab ich deine Krankheit
geheilt?«, da lachte sie.
»Das war nur ein Trick, du Blödmann. Wie hätte ich
mir sonst einen Ehemann aussuchen können?«
»Du bist aber schlau!«
»Genau«, lachte sie. »Im Gegensatz zu dir. Aber
mach dir keine Sorgen. Du hast ja jetzt mich.«
Tipp
Hören Sie in die zugehörige CD Ritterfest und Drachentanz hinein.

