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Mord in Süderneuland! Komissarin Klaasen ermittelt

Autorenpaar Bettina Göschl und Klaus-Peter Wolf lebt und arbeitet seit zwei Jahren in Norden

Der Erfolgsautor Klaus-Peter Wolf aus Norden schreibt seinen ersten Ostfriesland-Krimi.

NORDEN – Den ermittelnden Beamten bietet sich ein Bild des Grauens: ein abgeschlagener Schafskopf vor dem Haus und drinnen eine tote Frau: Renate Jung ist – besser: war – Lehrerin am Hans-Bödecker-Gymnasium. Sie war geschieden und lebte allein in der gepflegten Neubausiedlung in Süderneuland. Eine friedliche Idylle. Ein schöner Ort, um dort zu wohnen. Ann Kathrin Klaasen muss die Hausnummer nicht suchen. Vor dem Zweifamilienhaus parkten bereits zwei Polizeiwagen mit laufendem Blitzlicht. Eine Gruppe uniformierter Beamter aus Norden sicherte den Tatort. Außerdem waren die Kollegen von der Spurensicherung aus Aurich da. Um den Vorgarten wurde ein rot-weißes Band gezogen, um den Bereich abzusperren.

Der Erfolgsautor Klaus-Peter Wolf lebt und arbeitet seit knapp zwei Jahren mit seiner Partnerin Bettina Göschl in Norden. Seitdem ist in ihrem Haus im Distelkamp viel geflossen: zuerst die Tinte – dann das Blut. FOTO: VAN UDEN

»Eine Frau in einer tiefen Lebenskrise, die ihre Aufgabe bravourös angeht, aber einbricht. Sie fühlt sich als Versagerin«, verrät Klaus-Peter Wolf über seine Hauptfigur, die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen, die immer mehr den Boden unter den Füßen zuverlieren scheint – und Wie der Autor, eine Zugezogene. »Später wird sie selbst zur Gejagten.« Mehr verrät der 51-Jährige allerdings noch nicht. Der Erfolgsautor lebt und arbeitet seit knapp zwei Jahren mit seiner Partnerin Bettina Göschl in der Küstenstadt (der Kurier berichtete). Seitdem ist in ihrem Haus im Distelkamp viel geflossen: zuerst die Tinte – und dann das Blut. Viel Blut. Zunächst zwei Episoden für den ARD-Fernsehklassiker »Tatort«. Und jetzt hat Klaus-Peter Wolf seinen ersten Ostfriesland-Krimi für den renommierten Frankfurter Fischer-Verlag abgeschlossen. Arbeitstitel: Das Ritual.

»Wir sind 200 Tage im Jahr unterwegs. Da sind wir froh, wenn wir nach Norden in unser Zuhause kommen«
Bettina Göschl und Klaus-Peter Wolf

Ein Buch mit viel Lokalkolorit. So gehen die schön gezeichneten Romanfiguren in den »Diekster Köken « ein Bier trinken, sehen aus, als seien sie aktives Mitglied im Box-Club Norden, sie unterhalten sich über die Erfolge der Zweitliga-Handballer aus Aurich, gehen am Ewigen Meer spazieren, der Dornkaat ist ihr Lieblingsschnaps und die »Frisia V« sieht aus der Ferne aus, »als würde sie auf Rädern durchs Watt gezogen«. Beobachtungen und Alltagserlebnisse, die beide in ihrer neuen Wahlheimat an der Nordseeküste gemacht haben. »Doch der Fall ist fiktiv«, betont Wolf.
»Und warum mussten Sie nach Norden ziehen«, sind sie kürzlich gefragt worden und rieben sich verwundert die Augen. Für sie ist das Haus im Distelkamp ein Ruhepol. »Wir sind 200 Tage im Jahr unterwegs. Da sind wir froh, wenn wir nach Hause kommen«, sagt Bettina Göschl. Und das neue Zuhause entdecken sie oftmals mit angereisten Freunden immer wieder aufs Neue – zum Beispiel während eines Urlaubs auf Juist. »Mit den Inseln vor der Nase, das ist doch der Wahnsinn«, schwärmt Klaus-Peter Wolf immer noch, »Juist ist wie die Karibik, nur ohne die scheiß Palmen.«
Auf Juist sind auch die meisten Lieder und Texte zur brandneuen CD entstanden, die in diesen Tagen auf den Markt kommt: »Indianerfeder und Büffeltanz«. Lieder und Geschichten von Indianern, Regenmachern, Büffeln und kleinen Wölfen. Als Gastsprecherin erneut dabei: Wolf-Tochter Maxi. »Eine köstliche CD für einen langen Ferienabend ohne Glotze«, urteilte die Bild-Zeitung bereits über das Vorgänger-Werk »Ritterfest und Drachentanz«.
Vor allem das »Regenmacherlied« auf der aktuellen Silberscheibe ist ein echter Ohrwurm. »Innerhalb von zwei Tagen war es fertig. Das hat an der Insel gelegen«, erinnert sich die Liedermacherin gerne. »Und aus heiterem Himmel fing es tatsächlich an zu regnen«, lacht Klaus-Peter Wolf noch heute. Und beim Einsingen auf der heimischen Terrasse in Norden scharten sich immer wieder neugierige Nachbarskinder um Bettina Göschl.
Vor allem Kinderbücher haben Bettina Göschl und Klaus-Peter Wolf »als Autoren, die genau wissen, was Kinder gerne lesen« im vergangenen Jahr publiziert.
Unter anderem für die Reihe »Lesesternchen« im C. Bertelsmann Kinder- und Jugendbuch Verlag »Leon und die wilden Ritter« oder auch Piraten-, Pferde- und Ponyhofgeschichten. »Weil ich gut bin«, heißt die TV-Verfilmung einer Wolf-Story aus dem Jahr 2002, die als Wiederholung am 24. Februar um Mitternacht in der ARD zu sehen ist – mit Nina Petri, Tom Schilling und Dieter Landuris in den Hauptrollen. Ein TV-Jugenddrama über Träume, die man mit 17 trotz verlorener Unschuld noch hat. » Teenie-Story, die genug Platz für Hoffnung lässt«, urteilt die »TV-Spielfilm«: Daumen hoch!
Ein Urteil, das die Programmzeitschriften vielleicht demnächst auch über Ann Kathrin Klaasen fallen könnten. Denn Klaus-Peter Wolf hat das Manuskript neben seinem Verlag und auch seiner Filmproduktionsgesellschaft geschickt. Schließlich lockten die »Tatort«-Folgen »Janus« und »Abgezockt« 17 Millionen Menschen vor die Fernseher.
Mit einem Marktanteil von 26 Prozent ist »Abgezockt« mit Ulrike Folkerts als »Tatort«-Hauptkommissarin Lena Odenthal sogar einer der erfolgreichsten im vergangenen Jahr gewesen. Kein Wunder also, dass sich Schauspielerin Ulrike Folkerts bereits einen neuen Stoff aus der Feder von Klaus-Peter Wolf gewünscht hat. Ob, wann und wo der neue Ostfriesland-Krimi gedreht wird, ist noch völlig unklar. So gut wie fest steht dagegen der Erscheinungstermin der Buch-Vorlage: Frühjahr 2006. VON HOLGER BLOEM

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    • Ostfriesischer Kurier
    • 19.02.2004